Unser Pro Alex Tranacher tritt bei Millionen Turnier an.

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Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 16.11.18
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Der Plüsch-Koala auf der Golf-Bag ist das Maskottchen von Alexander Tranacher. Er nimmt es natürlich mit zum Turnier nach Australien.

Alexander Tranacher ist völlig unverhofft ins Starterfeld eines Weltcups in Australien hineingerutscht. Mit seinem Teamkollegen hat er nur ein paar Mal telefoniert.

Von Otto Fritscher

 

Es ist eine Reise ins Ungewisse, zu der Alexander Tranacher am Donnerstag aufgebrochen ist. Zwar steht das Ziel fest, der Flieger wird am Freitag in Melbourne landen. Dort wird dann aber „das größte Abenteuer meines Lebens beginnen“, ist der 33-Jährige überzeugt. Er wird allerdings nicht wilden Tieren begegnen oder raue Berge erklimmen, sondern über den Platz des Metropolitan Golfclubs bei Melbourne ziehen und sich mit einigen der weltbesten Golf-Profis, darunter die Deutschen Martin Kaymer und Maximilian Kieffer, messen. Das Preisgeld: stattliche sieben Millionen Dollar.

Es wäre kein Wunder, wenn Tranacher etwas nervös wäre, doch er sitzt an diesem Tag vor dem Abflug ganz ruhig und entspannt im Clublokal des Starnberger Golfclubs bei Hadorf. Das ist schließlich ein Heimspiel für ihn, denn er ist Pro, also Trainer auf diesem Platz. Immer wieder kommen Golfer an den Tisch und wünschen Tranacher viel Glück für das Turnier in Australien. Das wird er brauchen können, denn es gibt noch mehr Unbekannte in diesem Spiel.

Tranacher wird nicht alleine antreten, sondern im Team mit Peter Karmis. Seinen Partner hat er bislang nie getroffen, sie haben lediglich ein paar Mal miteinander telefoniert. Was die beiden Golf-Pros zusammenbringt, ist ihre Nationalität: Beide besitzen die griechische Staatsangehörigkeit, somit bilden sie das griechische Team bei diesem Turnier, bei dem die Spitzenspieler aus 28 qualifizierten Ländern in Zweier-Teams antreten.

Der in der offiziellen Weltrangliste am besten Platzierte eines Landes darf sich einen Partner aussuchen. Und Peter Karmis, der auf Rang 245 gelistet ist, fiel die Wahl nicht schwer: Tranacher ist der zweitbeste griechische Golfprofi, auch wenn er auf „Platz Zweitausend-Irgendwas“ steht, wie Tranacher lachend sagt. Griechenland ist eben als Golf-Nation nicht sonderlich in Erscheinung getreten.

 Tranacher hat einen österreichischen Vater und eine griechische Mutter, sein Partner Karmis besitzt neben dem griechischen einen südafrikanischen Pass. Golf ist seit mehr als 20 Jahren der Lebensinhalt des sympathischen Sportlers. Tranacher erinnert sich genau, wann er das erste Mal einen Schläger in die Hand nahm: mit zehn Jahren, als der Vater auf Mallorca golfte und der Bub auf dem Kart mit über den Platz kurvte. „Das war bald zu langweilig“, erzählt Tranacher, „und ich habe mitspielen wollen.“ Offenbar zeigte sich da schon sein Talent, denn auf einem Golfplatz bei Athen war er oft zu finden.

Er schaffte es bis in die griechische Amateur-Nationalmannschaft. „Ich habe schon damals geliebäugelt, Profi zu werden, aber ich wollte erst einen ordentlichen Beruf lernen“, sagt Tranacher, der in München wohnt, und im nächsten Frühjahr Vater werden wird. Also absolvierte Tranacher in Trier ein Studium der Betriebswirtschaft, hat aber bislang nie einen Beruf daraus gemacht. „Vielleicht kann ich später Mal Manager eines Golfclubs werden“, sagt er.

Doch das ist noch ferne Zukunft, erst mal verdient er sein Geld seit rund zwei Jahren als Trainer beim Starnberger Golfclub. „Meine Schüler sind zwischen fünf und 90 Jahren alt“, sagt er. Und er spielt in einer Turnier-Serie für Profis mit, der dritthöchsten, die es nach der PGA-Tour und der Challenge-Tour überhaupt gibt. Und jetzt eben das Turnier in Australien.

Wie wird man überhaupt ein guter Golfer? Tranacher denkt über die Antwort eine ganze Weile nach, und sagt dann: „Man muss zunächst Zeit und Geduld haben, um es richtig zu lernen. Als Pro braucht man dann eine sehr gute Technik, und auch mentale Stärke ist wichtig. Aber um konstant auf hohem Niveau zu spielen, musst du den Platz managen.“ Womit Tranacher meint, dass auch die Anlage in Hadorf – „eine der schönsten in Deutschland“ – jeden Tags anders gespielt werden muss, je nach Wetter, Platzzustand und Tagesform.

Und er schiebt nach: „Sportwissenschaftler haben herausgefunden, dass Golf den zweitkomplexesten Bewegungsablauf aller Sportarten hat – nach Stabhochsprung. Offenbar hatte Tranacher schon als junger Mann einen sehr guten Schwung, denn er arbeitete sich schnell auf Handicap eins herunter. „Das war der Zeitpunkt, als mir ganz klar war, jetzt muss ich Golf zu meinem Beruf machen.“ Profis haben dann kein Handicap mehr.

Und noch eine Frage, die jeden Golfspieler bewegt: Wird er jemals ein Hole-in-One schaffen, also den Ball mit einem einzigen Schlag über viele Meter ins Loch zu befördern? Tranacher lehnt sich entspannt zurück und sagt: „Ja, ich habe schon ein Hole-in-One gehabt, auf einem Platz bei Stuttgart.“ Über mehr als 170 Meter Distanz ging der Schlag mit Eisen sieben, der Ball kullerte am Ende ins Loch – normalerweise werden drei Schläge dafür einkalkuliert. „Auch wenn ich noch so gut schlage, das Ergebnis kann ich nicht beeinflussen. Das war einfach Glück“, sagt Tranacher. Vielleicht kann er auch beim Turnier seines Lebens in Australien darauf vertrauen.

Der ISPS Handa World Cup of Golf 2018 wird vom 21. bis 25. November 2018 ausgetragen.